vergoren


Eine theatrale Forschung

bearbeitet das Thema Alkoholkonsum aus einer ästhetisch-suchenden Perspektive: Welche Sehnsüchte verbergen sich hinter dem ein oder anderen Gläschen Wein? Welche Fratzen der Nacht begegnen mir? Wie inszeniere ich mich im Schatten der Nacht? Wie gerne möchte ich mich gehen lassen, entspannen, jemand ganz anderes sein als im grauen Alltag? Welche Weisheiten und Bedürfnisse werden eigentlich in der Kölner Toilettenlandschaft verhandelt?

„Wochenende. Saufen. Geil!“.  

Irgendwie scheint die Formel doch ganz einfach zu sein:

Wochenende=Entspannung=Alkohol.

Wie selbstverständlich hängt das Eine mit dem Anderen zusammen, wie selbstverständlich wird es nicht hinterfragt, wie selbstverständlich entdeckt man hier und da ein paar Risse in der Formel, die wie selbstverständlich jedoch nicht einstürzt. Langweilig will man ja auch nicht sein. Zu ekstatisch erscheint die endlose Suche nach Ausnahme und Glückseligkeit, nach spektakulären Geschichten, Unbefangenheit und Katharsis. Ach ja, „man lebt ja nur einmal“. In vergoren forschen die Darsteller*innen nach den Bedürfnissen hinter dem Kölschglas. Dabei lassen sie ihrer Neugier freien Lauf: Mit chorischen, performativen und szenischen Elementen bestaunen sie das Verhalten trinkwütiger Gesellschaftskreise, betrachten die Abgründe der Nacht und freuen sich über Geschichten die nur der Alkohol schreibt – nicht ohne dabei ihr eigenes Trinkverhalten immer wieder zu hinterfragen, zu bedauern und zu feiern. Das individuelle Bedürfnis nach dem Rausch wird zu einem Indikator, einem Spiegel gesellschaftlicher Eigenheiten, Sehnsüchte und Wünsche. Dabei versucht trio.projektBar stets die Forscherinnenbrille zu tragen, die es vermag Sachverhalte zunächst wertfrei wahrzunehmen, zu beobachten und zu deuten. Mit Saiteninstrumenten, elektronischen Beats und einer tiefen Stimme zaubert Sè Wilo für vergoren die passende Musik mit Atmosphäre und trägt damit sowohl die drei Darstellerinnen als auch das Publikum durch das Stück.

Der Kater als Legitimation zum Nichtstun: Es scheint eine Notwendigkeit darin zu bestehen, den Tag zu verabschieden, noch bevor er überhaupt begonnen hat. Vielleicht liefert der Kater uns einen Berührungspunkt mit der eigenen Vergänglichkeit, wodurch sich das Alltagsgrau wieder in schimmernde Lumpen hüllt – Normalität scheint in Relation zu dem totalen Abfuck der Stern zu Bethlehem.